Öko.See.Dorf Initiative hat einen weiteren großen Schritt gemacht.

Eine Gruppe von 20 Aktiven hat sich am 5.9. im Schloss Hersberg am Bodensee getroffen und, unterstützt vom Genossenschaftsexperten Burghard Flieger aus Freiburg, an konkreten Schritten zur Gründung der Dachgenossenschaft gearbeitet.

Es herrscht nunmehr Einverständnis, das das Öko.See.Dorf sich als Plattform für Wohnprojekte im Bodenseekreis und westliches Allgäu versteht.

Die Form der Genossenschaft mit Ihren 4 Grundprinzipien Förderprinzip, Solidaritätsprinzip, Identitätsprinzip und Partizipationsprinzip wurde als geeignete Organisation- und Rechtsform bestätigt. (siehe auch https://wohnungswirtschaft.online/das-genossenschaftliche-prinzipien-abc/#:~:text=Das%20Prinzip%20der%20Mitgliederf%C3%B6rderung&text=Das%20Prinzip%20der%20offenen%20Mitgliederzahl,Die%20genossenschaftliche%20Treuepflicht)

Es wurde über die Funktionen der Genossenschaft und die mögliche finanzielle Honorierung gesprochen.

Immer mit dabei ist unser Grundverständnis der Soziokratie und der GFK.

Die Satzung wurde abgestimmt und, mit den uns wichtigen Bausteinen, ergänzt. Dazu gehört zum Beispiel ein Sozialfond, eine Mediationsklausel, die Berücksichtigung der Projektbeiräte und vieles Mehr.

Die nächsten Schritte bis zur geplanten Gründungsveranstaltung am 24.10.2020 wurden festgelegt und eine erste Gruppe hat sich gefunden die Themen weiter zu entwickeln. Ziel ist eine Eintragung der Genossenschaft bis zum Feb. 2021.

Dazu wurde auch ein genossenschaftlicher Prüfungsverband ausgewählt.

Erste Gespräche über die Verteilung und Übernahme der Funktionen waren sehr erfreulich.

Nach 10 Stunden intensiver Arbeit einem energiegeladenen und freundschaftlichen Umfeld haben wir den Workshop beendet.  

#Dachgenosseschaft #Wohngenossenschaft #Soziokratie #GFK #bezahlbareswohnen #alternativeswohnen

https://de.wikipedia.org/wiki/Burghard_Flieger

Gemeinschaftsbildung nach Scott Peck oder von der Qualität der Zeit !

Vor einigen Stunden bin ich vom Gemeinschaftsbildungswochenende zurückgekehrt. Noch völlig beeindruckt von dem Erlebten, ist es mir ein Bedürfnis, über einen Beitrag zu unserem Blog ein wenig meine Erlebnisse zu teilen.

Im Arbeitskreis Gemeinschaft war uns die Idee gekommen, das von Gabriele Kaupp von der Gemeinschaft Schloss Tempelhof an diesem Wochenende in Überlingen angebotene „Seminar Gemeinschaftsbildung“ für UNSERE Gemeinschaft zu nutzen. Es erschien uns als eine brillante Idee.

Leider konnten dann doch im weiteren Verlauf etliche Ökoseedörfler, die angegeben hatten an diesem Wochenende Zeit zu haben, aus verschiedenen Gründen nicht an dem Seminar teilnehmen, so dass wir letztlich „nur“ mit 8 Personen vom Ökoseedorf anwesend waren.

Auch ich hatte meine Bedenken, hatte eine sehr arbeitsintensive Woche hinter mir, seit Montag einen Tinnitus im rechten Ohr und fühlte mich noch Freitagmittag kaum in der Lage, ein so langes, vermutlich sehr arbeitsintensives Wochenende durchzustehen. Innerlich hatte ich mir schon einen Ausweg zurechtgelegt, wenn der Tinnitus mich zu sehr geplagt hätte, wäre ich ausgestiegen.

Aber da Zeit nicht nur eine messbare Qualität in ihrem Ablauf (Chronos) hat, sondern jedem Augenblich auch eine bestimmte Qualität innewohnt (Kairos), kam es ganz anders als erwartet.

Wir saßen also am Freitagabend zum ersten mal zusammen. 20 Menschen, die sich alle für das Thema Gemeinschaft interessierten, aus verschiedenen Beweggründen und verschiedenen – mehr oder weniger weit entwickelten Gemeinschaften. Alle hatten sich bereit erklärt, die formulierten Empfehlungen zu befolgen und zu bleiben, auch wenn es schwierig würde …

Gabriele Kaupp erklärt: „Scott Peck sagt ausdrücklich, dass es eben keine „Regeln“, sondern „Empfehlungen“ sind. Wir machen sehr schnell Regeln daraus und werden dann mit der eigenen inneren und äußeren Autorität konfrontiert  und mit Fragen wie: „Darf ich das?“ „bin ich konform“, „was passiert, wenn ich aus der Rolle falle“? Wer bin ich, wenn mir niemand mehr sagt, was es zu tun gibt und wo’s langgeht? Letztendlich geht es um eine radikale Subjektivität und Eigenverantwortlichkeit.“

Dann ging die Reise auch bereits los… Ein Wochenende ohne Programm auf einem „Schiff“ ohne Leiter in einer „Group of all leaders“.

Die Reise führte „durch unterschiedliche Phasen, die nahe dem Gemeinschaftsalltag sind:

Sich einlassen, den Vertrauensboden überprüfen, Individualitäts- und Chaosphase, gemeinsam durch Nadelöhre und Unterschiedlichkeit gehen, ehrlich werden, sich verletzlich zeigen, Stille einladen, Verbundenheit und Vertrauen erfahren“.

Im Grunde dreht es sich dabei auch um die Integration von Achtsamkeit in ein Miteinander der Gruppe von Menschen, ein achtsamer Umgang miteinander, achtsame Kommunikation, achtsam mit den Eigenheiten jedes Einzelnen umzugehen, achtsam mit sich selbst und seinen Empfindungen, so sein lassen, erkennen der eigenen Grenzen der Toleranzschwellen und Wahrnehmung der der anderen Menschen in der Gruppe, niederlegen der Vorurteile und Kategorisierungen, der Labels, die ich selbst anderen sofort zuschreibe und zulassen, das jeder auf seine Weise ist und wertvoll als Einzelner genauso wie für und in der Gemeinschaft.

Durch das Ringen um diese Grenzen und die individuellen Standpunkte in der Dynamik der Gruppe entsteht fast von selbst über unterschiedliche Phasen eine Gemeinschaft in der Gruppe. Es bedarf dazu keines Leiters oder Führers. Nur gelegentlich bedarf es eines „take a risk“ dafür.

Mir selbst sind dabei verschiedene Dinge klar geworden.

1. Es fällt mir leicht, in einer solchen wohlwollenden Gruppe meinen Platz zu finden und einzunehmen. Und diese Art miteinander zu arbeiten liegt mir sehr und hat für mich eine Leichtigkeit, die ich so überhaupt nicht erwartet hatte.

2. Es tat mir gut, als Teil der Gruppe nicht selbst führen zu müssen, wie es in meinem Alltag von mir erwartet wird.

3. Gehört und gesehen zu werden, wahrgenommen zu werden ohne irgendjemandem irgendetwas beweisen zu müssen, dennoch Einfluss nehmen zu können auf den Prozess, den Kurs, ohne selbst der „Macher“ sein zu müssen.

Nicht wie in meinem beruflichen Alltag, wo ich Kapitän und Steuermann zugleich bin und für den Kurs und das ganze Schiff allein Verantwortung trage.

So konnte ich mich in der „group of all Leaders“ fast ein wenig entspannen und Kraft tanken. Sogar der Tinnitus verschwand am Samstag ganz von selbst.

So wurde aus einem langen Wochenende, von dem ich erwartet hatte, dass es mich sehr viel Kraft kosten würde,  eines, in dem ich sehr viel Energie tanken konnte. Die temporäre Gemeinschaft, die bis Sonntag entstanden war, gab mir unheimlich viel Energie.

Als ich die Gelegenheit beim Schopfe gepackt hatte (Kairos) war mir das nicht bewusst gewesen, aber es war genau das Richtige zum  richtigen Zeitpunkt, um mich in meinem Gemeinschaftskontext wieder ein Stück weit voran zu bringen.

Ich wünsche mir diesen Prozess sehr bald für unser ganzes Ökoseedorf, weil ich überzeugt bin, dass es uns als Gemeinschaft voran bringen wird und uns helfen wird unserer Vision wieder ein Stück näher zu kommen.

Axel

Status und Entwicklung aus Sicht von Jessica – seit 2 Jahren aktiv mit dabei

Liebe Runde,
hier ein kleiner Abriss über unsere Gruppenentwicklung im Öko.See.Dorf.

  • Gestartet ist die Idee (inkl. Name, Webseite und Vision) mit Fokus auf ein bestehendes Gelände schon vor einigen Jahren, initiiert von einem Paar, das heute selbst nicht mehr dabei ist. Fokus war Friedrichshafen.
  • Es haben sich einige Menschen gefunden, die der bis dahin losen Gruppe beigetreten sind. Ziel war eine schnelle Genossenschafts-Gründung für das anvisierte Grundstück.
  • Die Kommunikation mit der Stadt um das Gelände dauerte und der Erhalt des Geländes wurde immer unsicherer.
  • Die Gründung der Genossenschaft hat sich gezogen, es wurde ein Verein gegründet (um als ein Organ zu fungieren um mit der Stadt zu sprechen) und die Mitglieder wurde in der Grundlagen der Soziokratie geschult. Es wurden vier Arbeitskreise gegründet und seitdem besteht auch ein Leitungskreis.
  • In dieser Phase kam ich erst ins Projekt (nicht, dass das von besonderer Wichtigkeit ist, aber erst ab diesem Punkt kann ich aus persönlichen Erfahrungen berichten 🙂 ) Das war Ende 2018 / Anfang 2019.
  • Die Arbeitskreise (Design / Architektur / Technik, Öffentlichkeitsarbeit, Rechtliches / Finanzielles, Gemeinschaftsbildung) arbeiten autark, jedes Mitglied kann in so viele Kreise mitarbeiten wie es möchte. Die meisten AKs tagen alle 2 Wochen. Der Leitungskreis arbeitet ebenfalls alle zwei Wochen.

Etwa 3 Mal im Jahr findet ein Gemeinschaftsbildungswochenende statt (initiiert vom AK Gemeinschaftsbildung).
Die Vereinsmitglieder sind über einen recht großen Radius verstreut. Die Wochenende sollen dazu dienen, sich kennen zulernen und inhaltlich gemeinsam weiter zu kommen.

Workshop Arbeit
  1. Im Frühjahr 2019 zum ersten Mal extern moderiert. Samstag diente zum Kennenlernen, Sonntag diente dazu festzulegen, was die Menschen die zu diesem Zeitpunkt im Verein waren zusammenhält. Die ursprüngliche Vision wurde geschärft und auf unsere Bedürfnisse ausformuliert (was bedeutet Gemeinschaft für uns, wo wollen wir nach einem Grundstück suchen, wie groß wollen wir werden usw.)
  2. Im Sommer 2019 wurde sich einfach nur locker ein Wochenende getroffen. Ohne große Agenda. 
  3. Im Herbst 2019 gab es die erste „ordentliche Vereinsversammlung“ und es wurde über konkrete und vorher eingereichte Beschlussvorlagen abgestimmt. Aus dem dringenden Bedürfnis heraus ein Grundstück zu finden, wurde dem Arbeitskreis Öffentlichkeitsarbeit die Scouting-Aufgabe hinzugefügt.
  4. Frühjahr 2020: Es wird über eine ausführliche Beschlussvorlage entschieden. Wir gehen weg von der Vision ein großes Projekt (als EINE Genossenschaft zu bauen) und hin zu der Vision eine Dachgenossenschaft mit mehreren Projekten über die nächsten Jahre zu gründen (Ziel. Herbst 2020). Die Gründe dafür sind vielfältig und mir daher gerade etwas zu viel zum abtippen. 

Dieser Verlauf hängt stark mit dem Thema „Gemeinschaftsbildung“ zusammen, da die jeweiligen Schritte und Entscheidungen sehr individuell sind. Was ich in der Zeit bisher auf jeden Fall gelernt habe: Das Thema Gemeinschaft ist mindestens genauso wichtig wie all die praktischen Schritte die bis zum Einzug zu tun sind (Grundstück, Finanzierung, Bau usw.). Der Arbeitskreis „Gemeinschaftsbildung“ ist ein sehr wichtiger. Spätestens wenn es finanziell ans Eingemachte geht, wird sich zeigen wie gut wir zusammen arbeiten und wie sehr wir aneinander und das Projekt glauben.
Sven Jung hat schon viele Gruppen begleitet und immer wieder erwähnt wie viele Gruppen es (spätestens an diesem kritischen Punkt) dann eben auch nicht geschafft haben, weil Konflikte aufgekeimt sind oder Misstrauen / Fragen zu groß waren. ich erinnere mich sinngemäß an ein Zitat von ihm „Und selbst wenn es zum Bau und Einzug kommt, bringt es nichts wenn die Gemeinschaft im A*** ist – so wie schon bei dem ein oder anderen Ehepaar passiert. Das Haus steht endlich und die Ehe ist am Bau zerbrochen“.
Kleine organisatorische Randnotiz: Zur Absprache (Termine, Umfragen, Beiträge usw.) nutzen wir die Software SPOND. Für Widerstandsabfrage nutzen wir acceptify.
So, das war es erst mal was so in meinem Kopf rumgeschwebt ist. 
Herzliche Grüße aus Hamburg

Jessica

Über die „Dach“- Genossenschaft

Die Wohnbaugenossenschaft ist eine bewährte und etablierte Rechts- und Organisationsform für gemeinschaftliche Wohnprojekte. Die Genossenschaft ist stabil und zuverlässig, sie bietet die Möglichkeit der Beteiligung und sie ist gut skalierbar. Wohngenossenschaften gibt es oft im Ehrenamt geführt, genauso wie unter professioneller bezahlter Leitung mit mehreren hundert Genossen.

Allerdings benötigen Genossenschaften auch ein Mindestmaß an Struktur und Organisation. So muss eine Satzung vorliegen, und die Gremien Vorstand, Aufsichtsrat und Mitgliederversammlung geschaffen werden. Die Genossenschaft wird im Register eingetragen und unterliegt einer regelmäßigen Prüfung.

Vor dem Hintergrund, das alternativ zu einem großen Projekt mehrere kleine realisiert werden können, kann eine Genossenschaft auch dafür einen Rahmen bieten. Wir nennen dies mal eine Dachgenossenschaft.

Die Dachgenossenschaft erhält als zusätzliches Gremium einen Projektbeirat. Dieser stellt sicher, das die verschiedenen Projekte gegeneinander ausgewogenen im Einklang mit der Vision der Dachgenossenschaft sich entwickeln.

Der Vorteil für die Projekte ist eine vergleichsweise geringe formale und juristische Barriere zur Erreichung ihrer Projektziele. Die Projekte profitieren gegeneinander von ihren Erfahrungen und dem gemeinsamen lernen. Der Verwaltungsaufwand ist deutlich geringer da er über alle Projekte verteilt wird. Es existiert ein Netzwerk zu verlässlichen Partnern für die Planung, Finanzierung und Ausführung des Bauens. Die Leitung, Projekt- und Gemeinschaftsentwicklung wird professioneller und die Engagierten werden finanziell honoriert.

Die Initiative des Öko.See.Dorfes hat sich im Frühjahr 2020 entschieden eine Dachgenossenschaft zu gründen und somit mehreren Projekten eine Heimat zu geben.

Unsere Erwartungen sind eine schnellere Projektentwicklung basierend auf mehreren auch örtlich verteilten Projekten. Damit gewinnt unsere Idee auch überregional ab Bedeutung

Die Dachgenossenschaft hat einen regionalen Bezug der sich im Kreis Bodensee, Oberschwaben und Allgäu sich bewegt

Roland Ehry Mai 2020

Für die Arbeitskreisleitung und D
Deligierten